10 Fragen an: The Hunter

Wer es nach 300 Jahren immer noch nicht bemerkt haben sollte, dem möchte ich nun verdeutlichen: Karlsruhe mausert sich, es öffnet sich der Kunst und der Kreativszene und vor allem ist es Heimat echter Perlen, die endlich anfangen immer mutiger ihre Träume zu leben. So auch Astrid und Sarah von „The Hunter“. Die beiden betreiben einen Laden für Vintage Möbel, die sie in liebevoller Handarbeit aufbereiten. Wer mich kennt weiß, wie groß meine Liebe zu Designklassikern und individuell gestalteten Lebensräumen ist. Ich habe es mir daher nicht nehmen lassen, die beiden Damen in ihrem Hinterhofladen in der Südstadt zu besuchen und ihnen 10 Fragen zu stellen.

the-hunter

Sarah und Astrid vor ihrem Laden „The Hunter“

1. Erzählt doch mal kurz in euren Worten „Was ist The Hunter“?

Astrid: „The Hunter“ ist zunächst mal unser gemeinsames Projekt, das aus unserer Leidenschaft für 50er bis 70er Jahre Möbel heraus entstand. Mittlerweile ist es außerdem unser Label, unter dem wir unseren Laden sowie unseren Onlineshop vereinen. Dort verkaufen wir auserwählte Möbelstücke nachdem wir sie in liebevoller Handarbeit aufbereitet haben.

2. Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen, einen solchen Laden in Karlsruhe zu eröffnen?

Alles entstand aus einer Schorle-Laune…

Astrid: Ich war vorher in einem ähnlichen Job als Teilzeitkraft tätig. Auf die Dauer war mir das aber nicht genug und da ich Blut geleckt hatte wollte ich mehr. Ich wollte etwas eigenes machen doch ich brauchte dafür noch einen Partner der mit anpackt, also habe ich Sarah gefragt.

Sarah: Wir waren zusammen aus und saßen im Pendel, als Astrid mir von ihrer Idee erzählte. In Schorle-Laune stimmte ich ihrem Angebot zu ohne zu ahnen, dass sie mich am Tag danach darauf festnageln wird.

Astrid: Wir fingen klein an. Für ein dreiviertel Jahr restaurierten wir an zwei Tagen die Woche auf meinem 40qm Speicher kleinere Möbelstücke und verkauften diese übers Internet. Doch das wurde spätestens dann zu eng, als ich zum fotografieren auf diverse Kartons und Einrichtungsgegenstände klettern musste. An diesem Punkt stellten wir uns dann die Frage, ob wir das Projekt richtig angehen wollen und entschieden uns gemeinsam für den Schritt in die Selbstständigkeit. Die logische Konsequenz war die Eröffnung unseres Ladens im April dieses Jahres. Seither bewohnen wir den Hinterhof der Winterstraße 44B.

Laden

Der Laden. Foto: © The Hunter

3. Was hat es mit dem Namen „The Hunter“ auf sich?

Sarah: „The Hunter“ bedeutet „Der Jäger“ und letztlich sind wir genau das. Wir sind immer auf der Jagd nach tollen Möbelstücken und Designklassikern. Was gibt es und wo bekomme ich es her? Dazu gehen wir auf Roadtrips und fühlen uns wie echte Jäger, die für unsere Kunden auf Beutejagd gehen. So kam der Name zustande.

Astrid: Ich habe Sarah damals noch ein paar andere Vorschläge gemacht. So war „The Eclecticist“ beispielsweise mein Wunschname. Aber ich muss gestehen und Sarah Recht geben, das kann in Deutschland wohl kaum einer richtig aussprechen und damit wäre das Ziel dann auch verfehlt :) Wir haben alles richtig gemacht.

4. Wie läuft denn eine erfolgreiche Jagd so ab?

Astrid: Zunächst einmal müssen wir natürlich recherchieren wo es etwas zu jagen gibt. Dafür fahren wir dann meistens zu Haushaltsauflösungen oder suchen nach Angeboten von Privatpersonen. Wenn man die Möbelstücke dann so sieht, erkennen wir oft auf den ersten Blick ob sich ein Kauf lohnt oder nicht. Manchmal jedoch erschließt es sich erst, wenn man zuhause nachrecherchiert. Wichtig ist uns jedoch immer, dass so ein Deal für beide Seiten fair abläuft.

Sarah: Zugegeben, oft nehmen wir auch einfach etwas mit, weil wir es super hübsch finden und erkennen dann erst zuhause, dass wir nen echten Designklassiker gejagt haben. Das ist dann natürlich erfreulich.

Astrid: Das Auge wird immer geschulter, sodass wir vor allem die „Dänen“ unter den Designklassikern meist schon vor dem Kauf als Klassiker identifizieren. Aber man lernt nie aus und wir bekommen immer mehr Gefühl für die Herkunft der gejagten Möbelstücke. Landet ein Möbelstück dann tatsächlich im Auto, fahren wir es in unseren Laden, bereiten es dort auf, um es anschließend zu fotografieren und auf den Online-Plattformen anzubieten.

Vodder Schreibtisch

Vodder Schreibtisch . Foto: © The Hunter

Servierwagen

Servierwagen. Foto: © The Hunter

Ledersessel schwarz

Ledersessel schwarz. Foto: © The Hunter

String Magazine

String Magazine. Foto: © The Hunter

5. Wer bereitet die Möbel bei euch auf und wer macht die schönen Fotos?

Astrid: Das machen wir alles selbst. Natürlich freuen wir uns, wenn ein Möbelstück in so gutem Zustand ist, dass wir es nur aufpolieren müssen aber oft kommt es vor, dass bspw. der komplette Lack runter gemacht und erneuert werden muss. Aktuell zahlen wir an dieser Stelle noch viel Lehrgeld.

Sarah: Wir polstern sogar einige Möbel auf oder beziehen sie neu. Hier kommen uns Astrids Fähigkeiten an der Nähmaschine zugute. Wenn dann alles präsentabel ist, stellen wir die Möbel in unser hauseigenes Fotostudio und lichten sie ab. Es ist also alles Handarbeit und tatsächlich ganz ohne männliche Hilfe möglich :)

Sarah Handwerk

Sarah bereitet die Holzelemente auf

Astrid fotgrafiert

Astrid lichtet die Möbelstücke im Fotostudio ab

6. Habt ihr ein Lieblingsmöbelstück von dem ihr euch besonders schwer trennen konntet?

Sarah: Immer mal wieder :) Am Anfang war es deutlich schwerer sich zu trennen, nachdem man soviel Herzblut reingesteckt hat. Heute kommt es nur noch selten vor, dass man sich denkt „will ich lieber selber haben“. Denn wenn jemand kommt und die Möbelstücke kauft, dann freuen wir uns ja, dass sie in einem Liebhaber-Haushalt unterkommen.

Astrid: Das Schöne ist ja, dass die Dinge in guten Händen landen, denn sonst würde keiner diesen Preis zahlen, den wir für all die Handarbeit verlangen müssen.

7. Erzählt mir doch noch ein wenig von euch. Wer seid ihr beiden denn privat und wie lange seid ihr schon befreundet?

Sarah: Wir kennen uns schon seeeehr lange… 15 Jahre sind es mittlerweile. Ich kam nach Karlsruhe zum studieren und lernte Astrid an der Uni kennen. Wir haben uns damals beide für Kunstgeschichte eingeschrieben. Natürlich jobbt der fleißige Student nebenher und so landeten wir zusammen in der Gastronomie und bekamen uns seither nicht mehr los.

Astrid: Daran änderte auch mein Wechsel an die HfG nichts. Wir blieben uns als Freunde immer erhalten.

Sarah: Ich bin zwar studierte Kunsthistorikerin, habe in dem Beruf jedoch nie gearbeitet da ich sofort abgeworben wurde. Ich war zunächst Geschäftsführerin im Kiwi und habe danach, bis zur Eröffnung von „The Hunter“ das Liebstöckel gemacht. In Karlsruhe bin ich daher schon ewig, obwohl ich eigentlich Heidelbergerin bin.

Astrid: Ich bin gebürtige Karlsruherin und habe an der HfG Produktdesign studiert. Mich hat es jedoch nie in diesen Beruf verschlagen. Als ich mit 26 Mama wurde, änderten sich schlagartig die Prioritäten im Leben. Ich kam über einen Teilzeitjob zu dem Thema Vintage Möbel und habe darin jetzt meine Erfüllung gefunden.

Astrid und sarah auf daybed

Nach 15 Jahre Freundschaft eröffnen Sarah und Astrid jetzt ihren gemeinsamen Laden.

8. Wie sind eure Wohnungen privat eingerichtet?

Sarah: Bei mir ist das ein guter Mix, bestehend aus einigen alten Möbeln, die man auch bei The Hunter verkaufen könnte, und ein paar IKEA-Überbleibseln aus früheren Zeiten. Vor allem Regale. Je älter ich jedoch werde, desto mehr möchte ich mich individueller einrichten. Zu mir hat es deshalb ein Bett nach Hause geschafft, dass von einer Jagd für The Hunter stammt.

Astrid: Auch bei mir ist es eine Mischung. Es gibt durchaus Stücke, die 1 zu 1 in den Laden passen würden aber ich würde ja waaahnsinnig werden ;) Ich bevorzuge dann doch den Mix aus alten und geradlinigen Möbeln. Ich mische dänisches mit Bauhaus – des passt scho! Ich habe aber tatsächlich ein Möbelstück von The Hunter zu Hause bei mir: einen wunderschönen Küchenschrank.

9. Was wäre euer Wunsch für die Zukunft von „The Hunter“, wo soll die Reise hingehen?

Beide: Nach oben!

Astrid: Im Grunde sind wir sehr zufrieden. Wir haben seit April geöffnet und bekommen bisher tolles Feedback auf Service und Zustand unserer Möbel. Das darf gerne so weiter gehen. Natürlich wäre es aber wünschenswert wenn es kontinuierlich so weiter geht und wir künftig noch mehr daran verdienen können, sodass wir beide unseren Lebensunterhalt bestreiten können ohne nebenher noch andere Sachen machen zu müssen. Das ist aktuell nämlich noch der Fall. Wir wünschen uns außerdem, dass wir künftig auf reichweitenstarke Plattformen wie eBay und Dawanda verzichten können und alles über unseren eigenen Onlineshop abwickeln zu können. Aber nach gerade mal vier Monaten können wir sicher sagen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und uns auf die Zukunft freuen.

Sarah: Mehr ist mehr. :)

10. Zu guter letzt, wie kann man die Möbel bei euch kaufen?

Astrid: Natürlich freuen wir uns immer über Besuch in unserem Laden. Dort beraten wir dann gerne auch persönlich. Wem der Weg zu weit ist, der kann auf unserer Website www.thehunter.eu vorbei schauen und dort im Onlineshop stöbern. Man findet unsere Möbel auch auf Portalen wie eBay, Dawanda und Pamono. Die neusten Infos und Einblicke zu „The Hunter“ gibt es außerdem auf unserer Facebook-Seite.

Ich danke den beiden für dieses entspannte und ehrliche Interview und drücke ganz fest die Daumen, dass soviel Herzblut und Leidenschaft belohnt wird. Schaut unbedingt bei den beiden im Laden vorbei oder surft mal rüber auf ihre Facebook-Seite.

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Und alle so: YEAH!

The Hunter
Winterstraße 44B Hinterhof
76137 Karlsruhe
Telefon: 0721 20432903
E-Mail: hello@thehunter.de

Mira

Immer unterwegs, selten alleine, die Welt und das www sind mein Zuhause, black is my happy color, ich liebe Interior Design und gutes Essen, brenne für Spaziergänge über den Flohmarkt und meinen Job als Marketing-Strategin.

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